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Blog Zukunft Soziale Marktwirtschaft






Ludwig Erhard – ein weiser Europäer                      Blog 13 – Juni 2016

Es steht derzeit nicht gut um die europäische Integration. Großbritannien befindet sich kurz vor der Abstimmung über einen Austritt aus der Europäischen Union; die Konflikte zwischen den Mitgliedstaaten – beispielsweise über die Währungspolitik – haben sich zugespitzt; neue nationalkonservative Bewegungen bedrohen das Einigungsprojekt. In dieser Lage lohnt sich eine (Rück-)Besinnung auf Ludwig Erhard, der seinerzeit nicht nur die junge Bundesrepublik Deutschland in die Soziale Marktwirtschaft geführt hat, sondern auch ein glühender Anhänger der europäischen Integration war. Er stand für ein freiheitliches, auf Marktwirtschaft und Wettbewerb beruhendes Europa und hat schon früh davor gewarnt, die gemeinsamen Institutionen zu überfrachten.

In seinem berühmten Buch „Wohlstand für alle“ warb Erhard 1957 für die „Wiederherstellung einer freizügigen internationalen Ordnung, wie sie am besten und vollkommensten in der freien Konvertierbarkeit der Währungen zum Ausdruck kommt. Konvertierbarkeit der Währung schließt selbstverständlich die volle Freiheit und Freizügigkeit des Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehrs ein.“ Nur in einer solchen Ordnung kommt der Preismechanismus voll zum Wirken und kann für jene ökonomische Effizienz sorgen, die den Vordenkern der Sozialen Marktwirtschaft vorschwebte. Erhards Ideal der Freizügigkeit ist in Europa mittlerweile weitgehend Realität geworden, dank der Römischen Verträge und der Schaffung des europäischen Binnenmarktes.

Doch seine Befürchtung, dass die Integration in die „Schaffung neuer Ämter und Verwaltungsformen oder wachsender Bürokratien“ münden könnte, hat sich ebenfalls bewahrheitet. Die Europäische Union erntet zu Recht viel Kritik mit ihrer ausufernden Regulierung, dem stetigen Kompetenzzuwachs der supranationalen Bürokratie und der zum Teil wenig transparenten Umverteilung zwischen den Mitgliedstaaten. Erhard war klar, dass eine solche Entwicklung in der Bevölkerung auf Ablehnung stoßen, die europäischen Staaten auseinandertreiben und stattdessen Desintegration bewirken muss. Anders als viele andere Autoren seiner – und auch unserer heutigen – Zeit empfahl Erhard daher, nicht immer weiter zu harmonisieren, umzuverteilen und neue Gemeinschaftsinstitutionen zu schaffen. Im Zentrum der europäischen Integration müsse vielmehr das Anliegen stehen, die Freiheit zu sichern und eine gemeinsame marktwirtschaftliche, wettbewerbliche Ordnung zu schaffen. Es gelte schlicht für Freizügigkeit zu sorgen und dabei die Vielfalt Europas als Chance zu begreifen.

Wegen dieses zurückhaltenden Ansatzes hat man Erhard nachgesagt, er sei ein schlechter Europäer. Gegen diesen Vorwurf wehrte er sich zeitlebens, und nichts hätte er weniger verdient. Statt viel zu früh darüber nachzusinnen, wie sich eine politische Union erreichen lassen kann, hätten die Europapolitiker gut daran getan, sich wie Erhard strikt auf Freizügigkeit, Markt und Wettbewerb zu konzentrieren. Aber besser spät als nie: Eine (Rück-)Besinnung auf Erhards Ideen zur Integration könnte der Europäischen Union auch jetzt noch den Ausgangspunkt zu einer Erfolgsgeschichte verschaffen, wie sie der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland beschert war.
   




Von Benjamin Buchwald, Jg. 1991 · Student im Masterstudiengang Public Economics, Law and Politics der Leuphana Universität Lüneburg, Research Fellow bei IREF – Institute for Research in Economic and Fiscal Issues




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