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Blog Zukunft Soziale Marktwirtschaft






Morgen mehr Rente für alle                                                                  Blog 16 – September 2016

Wieder geht in Deutschland die Angst um die Alterssicherung um. Dabei ist seit Jahrzehnten klar, dass das umlagefinanzierte Rentensystem in Folge sinkender Geburtenraten und steigender Lebenserwartung auf eine Krise zusteuert. Es ist höchste Zeit, dieses System in Einklang mit der Sozialen Marktwirtschaft zu reformieren – und zwar so, dass Eigenvorsorge an die Stelle von staatlichem Zwang tritt und sich ein höherer Lebensstandard für alle ergibt.

Lange geht es nicht mehr weiter wie bisher. Schon heute sind höhere Beiträge und ein hinausgeschobenes Renteneintrittsalter notwendig, um das Auszahlungsniveau zu halten. Trotzdem muss der Staat rund ein Fünftel der Renten aus dem allgemeinen Steuertopf finanzieren und nachhelfen, damit die Bürger auch privat für ihr Alter vorsorgen. Selbst mehr Einwanderung kann das überkommene System nicht retten. Üblicherweise passen sich die Einwanderer nach wenigen Generationen an die Geburtenrate der Einheimischen an; eine nachhaltige Korrektur des wachsenden Ungleichgewichts zwischen Zahlern und Empfängern wird sich so nicht einstellen. Schlimmer noch: Wenn es keine Reformen gibt, werden für Einwanderer andere Länder attraktiver, in denen sie mehr Lohn für sich behalten können.

Ein umlagefinanziertes Rentensystem ist immer von einer Krise bedroht, wenn nicht genug Einzahler vorhanden sind. Schon bei der Einführung des umlagefinanzierten Rentensystems im Jahr 1957 sahen die damaligen Minister Ludwig Erhard (Wirtschaft) und Fritz Schäffer (Finanzen) diese Probleme voraus. Erhard warnte, die Bürger könnten eine Vorsorgementalität und eine Anspruchshaltung gegenüber dem Staat entwickeln, was die private Eigenvorsorge erschlaffen ließe. Auch seien die Kosten auf Dauer nicht zu decken. Seine Bedenken waren berechtigt; das befürchtete Szenario ist eingetreten. Anstatt zu versuchen, das umlagefinanzierte Rentensystem notdürftig am Leben zu halten, sollten wir nun ernsthaft darüber nachdenken, ein neues, nachhaltigeres System einzuführen. Wahlgeschenke wie die „Mütterrente“ oder die „Rente mit 63“ dagegen sind schädlich. Solche Versprechen lassen sich auf Dauer nicht halten.

Eine Alternative bietet ein kapitalgedecktes System. Hier kann jede Generation während des Arbeitslebens Vorkehrungen für das Alter treffen, statt wie bisher gezwungen zu sein, für eine andere Generation aufzukommen. Alle Beschäftigten bekommen ein Arbeitnehmerkonto, an das sie einen Teil ihres Lohns abführen, der in ihre künftige persönliche Rentenkasse fließt. Die individuelle Alterssicherung ist dann nicht mehr an die durchschnittliche Geburtenrate und die Lebenserwartung im Land gekoppelt, und die jeweiligen Auszahlungen hängen nur noch von der Höhe der Beiträge ab, die man selber während des Arbeitslebens eingezahlt hat. Solange die Zinsen nicht negativ werden, kann jedermann dank des Zinseffekts auf diese Weise mit niedrigeren Beiträgen als heute ein deutlich höheres Rentenniveau erreichen.

In einigen Ländern wie Chile und Australien sowie in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong sind kapitalgedeckte Rentensysteme bereits erfolgreich in die Praxis umgesetzt worden. In Hongkong funktioniert es so gut, dass auch die sehr niedrige Geburtenrate von 1,3 Kindern je Frau nicht dazu führt, dass die Bewohner der Stadt von mehr Altersarmut bedroht sind. Auch in Deutschland ist eine Reform unvermeidlich, denn in den kommenden Jahren wird sich die Zahl der Menschen, die in den Ruhestand treten, deutlich erhöhen. Dann droht jene starke Zunahme der Altersarmut, die man bis heute dank einiger gradueller Korrekturen (mehr Alte in Beschäftigung, höhere Rentenbeiträge) gerade noch verhindern konnte. Die Reform muss natürlich in kleinen Schritten erfolgen, damit die Bürger ihre Vorsorge umstellen können. Aber notwendig ist sie.
   




Jorge Arnez-Prinzhorn, Jg. 1993 · Abiturient und Blogger bei Wordpress




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