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Blog Zukunft Soziale Marktwirtschaft






Wettbewerb und Umverteilung
– Das Soziale an der sozialen Marktwirtschaft                                                 Blog 27 – März 2018


Die soziale Marktwirtschaft trägt ihr Eigenschaftswort mit gutem Grund. In der Alltagssprache bedeutet „sozial“, dass es in der Gesellschaft nicht zu allzu großen Einkommensunterschieden zwischen den Bürgern kommt. Die Ordnung der sozialen Marktwirtschaft ermöglicht dies, indem sie den wirtschaftlichen Wettbewerb auf eine solche Weise mit staatlicher Umverteilung verbindet, dass der Markt und das Soziale einander nicht blockieren, sondern vielmehr möglichst steigern.

Die soziale Marktwirtschaft sichert die wirtschaftliche Freiheit der Bürger, setzt einen rechtlichen Rahmen für den Wettbewerb und schafft die Wege, gegen Unternehmenskartelle vorzugehen. Der Wettbewerb garantiert eine rationale Wirtschaftsweise und Innovation, was zu allgemeinen Wohlstandssteigerungen führt. Schon diese Ermöglichung von Wirtschaftswachstum ist sozial, was Ludwig Erhard einst in einem Brief an Friedrich August von Hayek zu der Bemerkung veranlasste: „Ich meine, daß der Markt an sich sozial ist (…) Je freier die Wirtschaft, desto sozialer ist sie auch.”

Staatliche Umverteilung, beispielsweise in Form der Steuer-, Sozial- und Strukturpolitik, verringert darüber hinaus in der sozialen Marktwirtschaft die materielle Ungleichheit der Bürger, wie sie sich aus unterschiedlichen Ausgangslagen und Markterfolgen ergibt. Begünstigt wird, wer nach dem Marktprozess über kein oder wenig Einkommen verfügt, beispielsweise Kranke oder Arbeitslose. Indes darf diese Umverteilung nicht zu weit getrieben werden, denn sie kostet Wachstumskraft. Zugunsten einer möglichst gleichen Einkommensverteilung auf Wohlstandssteigerungen gänzlich zu verzichten, ließe sich deshalb kaum als sozial bezeichnen. Auf die Spitze getrieben, führte dies in einen Zustand, in dem jedermann unter dem Existenzminimum lebte. Soweit lässt es die soziale Marktwirtschaft nicht kommen. Dieses Ordnungskonzept fordert zwar selbst staatliche Umverteilung, schützt den Markt aber davor, von diesem Sozialen so bedrängt zu werden, dass er seinen eigenen sozialen Beitrag nicht mehr erbringen kann. Denn damit wäre niemandem gedient.

Alfred Müller-Armack hatte den Begriff der „Sozialen Marktwirtschaft“ als „irenische Formel“ geprägt, die „das Prinzip der Freiheit des Marktes mit dem des sozialen Ausgleichs“ verbindet. Doch die Spannung zwischen dem Markt und dem Sozialen ist nicht immer leicht aufzulösen. Ein gewisses Maß an Ungleichheit in Kauf zu nehmen, um eine deutliche Wohlstandssteigerung zu erreichen, würden die meisten Leute wohl in der Tat als „sozial“ empfinden. Es könnte jedoch auch den Gerechtigkeitsvorstellungen entsprechen, etwas Wohlstand aufzugeben, um mehr Gleichheit zu erreichen. Wo die Grenze zu ziehen ist, muss im politischen Prozess ausgehandelt und entschieden werden. Diese Entscheidung hängt nicht nur vom gewünschten Maß an materieller Gleichheit in der Gesellschaft ab, sondern auch von der empirischen Frage, wie viel Wohlstand man aufgeben muss, um mehr Gleichheit zu erreichen. Als zugrundeliegende Ordnung bietet die soziale Marktwirtschaft die Rahmenbedingungen für eine kluge Balance, indem sie sowohl die Steigerung des allgemeinen Wohlstands als auch den Abbau von materieller Ungleichheit ermöglicht. Eben darin ist sie sozial.
   




Philipp Neudert, Jg. 1997 · studiert Philosophy&Economics an der Universität Bayreuth




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