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Blog Zukunft Soziale Marktwirtschaft






Auf zur Sozialen Marswirtschaft!                                                 Blog 23 – April/Mai 2017

Die Soziale Marktwirtschaft hat eine Zukunft im All. Tatsächlich wird die menschliche Besiedlung des Mars immer realistischer. Der SpaceX-CEO Elon Musk arbeitet bereits daran, die Menschheit in eine interplanetare Spezies zu verwandeln. Sein erklärtes langfristiges Ziel ist es, eine Stadt auf dem Mars zu errichten. Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts hofft er, eine sich selbst erhaltende Marszivilisation von einer Millionen Menschen zu erreichen. Wenn erst einmal die Überlebensgrundlagen auf dem Mars gesichert sind, dann bedarf es für eine solche Gemeinschaft auch einer geeigneten politischen, rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Ordnung.

Die Soziale Marktwirtschaft bietet sich grundsätzlich hierfür an, und zwar nicht nur weil sie ihre Funktionstüchtigkeit bereits auf der Erde unter Beweis gestellt hat: Sie trägt viel zur Stabilisierung demokratischer Systeme bei; Deutschland ist das beste Beispiel. Sie bietet den Marktteilnehmern Chancen der wirtschaftlichen Teilnahme und Teilhabe, schafft ein Angebot für nachgefragte Produkte, fördert Eigeninitiative und Innovationsreichtum, sorgt für sozialen Ausgleich und erhält sich selbst. Unter den erschwerten Bedingungen auf dem Mars kann auf diese Vorzüge nämlich noch viel weniger verzichtet werden. Wirtschaftliche Effizienz und sozialer Ausgleich sind von existenzieller Notwendigkeit. Auf dem Mars ist die Umwelt lebensfeindlich. Es fehlt an Sauerstoff, an Trinkwasser, an erdähnlicher Schwerkraft, an natürlichem Strahlenschutz und Anbauflächen etc. Menschen werden nur unter entsprechend eingerichteten Kuppeln auf der Marsoberfläche oder in unterirdischen Systemen leben können. Die Anpassung der Planetenoberfläche an menschenfreundliche Lebensbedingungen, das „Terraforming“, könnte Hunderte von Jahre in Anspruch nehmen. In derart beengten Verhältnissen drohen Konflikte rasch zu eskalieren. Wirtschaftlich bedingte soziale Ungleichheiten und Versorgungsmängel könnten das Zusammenleben erheblich gefährden und müssen daher unter allen Umständen vermieden werden. Es braucht durchgehend sozialen Frieden, damit der tägliche Arbeitseinsatz aller Bewohner für den Betrieb und die Instandhaltung der lebensnotwendigen Anlagen gewährleistet ist. Außerdem bedarf es eines nachhaltigen interplanetaren Handels, da eine Marskolonie lange nicht der Lage sein wird, autark zu sein. Mit ihrem Grundsatz offener Märkte sorgt die Soziale Marktwirtschaft auch hierfür. Neben alledem ist die Soziale Marktwirtschaft als Stilgedanke flexibel genug, dass sie sich für alle Bewohner vorteilhaft an die umweltbedingten sozialen Notwendigkeiten auf dem Mars anpassen lässt. Statt Unternehmenssteuern zu erheben, könnte man erwägen, dass Firmen ihre Erfindungen, die das Überleben aller nachhaltig verbessern, der Allgemeinheit – unter gewissen rechtlichen Nutzungseinschränkungen und bei monetärem Ausgleich – zur Verfügung stellen müssen. In existenziellen Sonderfällen könnte man Unternehmer verpflichten, ihr Fachpersonal der Administration vorübergehend zu überlassen. Eine soziale Marktwirtschaft könnte zudem verhindern, dass die Administration eine zentrale Planung einführt und die Gesellschaft mit einem Monopol auf überlebensnotwendige Ressourcen unter Druck setzt.

Die „Stunde Null“ einer neuen menschlichen Zivilisation auf dem Mars oder anderen Planeten böte die große Chance, die gesammelten Erfahrungen auf der Erde in die Schaffung der Wirtschaftsordnung einfließen zu lassen und bekannte Fehler durch einen kohärenten Entwurf zu vermeiden. Dabei wäre unter anderem darauf zu achten, dass wir staatliche Traditionen ohne tatsächlichen gemeinschaftlichen Nutzen gar nicht erst entstehen lassen, genauso wenig wie Machtkonzentration und Privilegien.

Warum sollten wir die Soziale Marktwirtschaft also nicht bereits jetzt ernsthaft weiterdenken, zum Wohle künftiger Marssiedler? Sie könnten immerhin unsere direkten Nachkommen sein. Ganz abgesehen davon, dass wir selbst von solchen Gedankenexperimenten nur profitieren können. Sie sind keineswegs bloße Spinnerei. Sie helfen uns darüber klar zu werden, wie und an welchen Stellen wir schon hier auf der Erde die Soziale Marktwirtschaft verteidigen, erweitern und verbessern können.
   




Christoph Beischl, Jg. 1985 · Promoviert in Space Policy and Law an der University of London und dem London Institute of Space Policy and Law




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