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Blog Zukunft Soziale Marktwirtschaft






Ein neues Framing für die soziale Marktwirtschaft                           Blog 29 – September 2019

Die Gegner der sozialen Marktwirtschaft beherrschen das „Framing“ offenbar besser als die Befürworter. Sie haben es geschafft, dass viele Bürger marktwirtschaftlich und demokratisch organisierter Staaten mit zentralen Begriffen ihrer Wirtschaftsordnung etwas Negatives verbinden. Es ist selten geworden, dass jemand Konsum, Effizienz, Wirtschaftswachstum, Wettbewerb oder Profite in einem positiven Zusammenhang nennt. Mit einer Fundamentalkritik an der „Konsumgesellschaft“, dem „Wachstumswahn“ oder der Überforderung der Menschen durch Wettbewerb und Leistungsideal ist manch einer hingegen schnell bei der Hand und kann sich des Applauses sicher sein. Das ist fatal.

„Konsum“ erinnert in einer solchen diskursiven Einrahmung vor allem an Dekadenz, Umweltverschmutzung oder mangelnde Wertschätzung materieller Güter. „Effizienz“ klingt nach Entlassungen, prekären Arbeitsbedingungen, Burnout und schlechter Behandlung der Angestellten durch ihre Arbeitgeber. In „Wirtschaftswachstum“ schwingt der Vorwurf materiellen Überflusses mit, der zudem den Klimawandel verschärft. „Wettbewerb“ ist, was uns die „Ellbogengesellschaft“ einbrockt. Und Profite zu machen, ist ein Zeichen von Gier, Ruchlosigkeit und fehlendem Gewissen.Derlei Assoziationen indes untergraben langfristig das Vertrauen zur moralischen Legitimation der Marktwirtschaft und damit deren Akzeptanz.

Doch das muss nicht sein. Marktwirtschaftliche Prozesse bringen gesellschaftlich wie individuell Gewinn. Das gilt es in den Vordergrund zu rücken. Weshalb sollte „Konsum“ nicht an ein gutes Buch, die zurückliegende schöne Reise oder ein lebensnotwendiges Medikament erinnern? „Effizienz“ könnte Dankbarkeit dafür hervorrufen, dass wir heute in unseren Breiten Hungersnöte überwunden haben, obwohl nur gut 4 Prozent der Beschäftigten in der Landwirtschaft arbeiten. „Wirtschaftswachstum“ sollte an bessere psychische Gesundheit und Reallohnwachstum denken lassen. Wenn von „Wettbewerb“ die Rede ist, darf Innovationskraft mitschwingen. Und Profite verweisen auf mögliche Investitionen in die technologische Weiterentwicklung der Gesellschaft. All dies wären angemessene positive Assoziationen.

Die Verfechter der sozialen Marktwirtschaft müssen sich anstrengen, in diesem Sinne die Deutungshoheit über wichtige Begriffe wiederzugewinnen. Das kann nicht bedeuten, menschliches Fehlverhalten oder systemische Fehlentwicklungen kleinzureden. Im Gegenteil gilt es sogar besonders früh auf ein Marktversagen oder ein anderes Problem hinzuweisen, das einer kulturellen oder legislativen Reaktion bedarf. Und natürlich sollten Wissenschaftler, Politiker und Journalisten die Fragen, ob und wann Profite zu hoch sind, wann und in welcher Höhe Wirtschaftswachstum negative Externalitäten verursacht oder wie es um die Beschäftigung im Niedriglohnsektor steht, unbedingt auch dann nüchtern analysieren, wenn sie freie Märkte grundsätzlichfür segensreich halten. Doch nur mit einer Umkehrung des Framings wird es gelingen, der sozialen Marktwirtschaft die Akzeptanz zu erhalten – gerade heute, wo post-materielle Werte wie das Umweltbewusstsein an Bedeutung gewinnen.

   




Otto Meyer zu Schwabedissen, Jg. 1996 · Student der Politik- und Verwaltungswissenschaften an der Universität Konstanz




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