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Blog Zukunft Soziale Marktwirtschaft






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Sicherheit, Wirtschaftlichkeit, Freiheit:
Wettbewerb schafft den Ausgleich                                                                  Blog 17 – Oktober 2016


Freiheit ist ein zentraler Wert für das menschliche Zusammenleben. Das ist weitgehend unstrittig. Trotzdem wird immer wieder der Vorwurf laut, Liberale höben die Freiheit als Wert zu Unrecht über die Sicherheit, gerade so, als ob das eine dem anderen etwas wegnähme. Zudem hätten sie einen ökonomisch verengten Freiheitsbegriff. Besonders deutlich wird dies an dem andauernden Streit um das Verhältnis von Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Freiheit. Viele Menschen meinen, Sicherheit gehe grundsätzlich vor und sei als klassische Staatsaufgabe für jedermann in gleicher Weise bereitzustellen. Die Frage nach dem Ausmaß sei dabei losgelöst davon, was die Bereitstellung koste. Man könne nun einmal kein Preisschild an unser Bedürfnis nach Schutz vor Terror und Kriminalität hängen. Doch übersetzt sich der Erwerb von Sicherheitsleistungen nicht automatisch in ein subjektives Gefühl von Sicherheit. Und zudem wäre eine solche Einstellung geeignet, enorme – und a priori unbegrenzte – Staatsausgaben zu rechtfertigen. Prompt gewinnen Politiker an Popularität, wenn sie mehr Polizisten einstellen und die Sicherheitsinfrastruktur ausbauen.

Der ökonomischen Frage, wie viel Sicherheit wünschenswert ist und welche Mittel dafür aufzuwenden sind, kann man jedoch in einer Welt begrenzter Ressourcen nicht sinnvoll aus dem Weg gehen. Die Antwort lässt sich am besten im Wettbewerb entdecken, wie es in der Sozialen Marktwirtschaft üblich ist. Es ergibt eine Menge Sinn, Sicherheitsleistungen als ein Gut wie jedes andere aufzufassen und seine Bereitstellung dem Markt anzuvertrauen. Sicherheit und Wirtschaftlichkeit in Verbindung zu bringen oder gar aufeinander zu beziehen, bedeutet dabei nicht, kaltherzig Menschenleben gegen Ersparnis aufzurechnen. Es geht schlicht um eine effiziente Bereitstellung von Sicherheit im erwünschten Ausmaß. Das ist nichts Ungewöhnliches: In unserem Alltag wägen wir ständig zwischen der Sicherheit und ihren Kosten ab. In Zeiten niedriger Ölpreise fahren immer mehr von uns im Auto zu Arbeit, weil das Zugticket teurer ist – obwohl der Straßenverkehr gefährlicher ist. Die Ersparnis ist dieses Risiko offenbar wert. Viele schließen keine Versicherungen gegen Elementarschäden mehr ab, obwohl deren Fälle in den vergangenen Jahren prozentual zugenommen haben. Wir riskieren die Folgen, weil die Prämien stark gestiegen sind und wir aufs Geld achten.

Hier kommt freilich noch der Aspekt der Freiheit ins Spiel. Es ist eine sehr individuelle Angelegenheit, wie risikoscheu oder risikofreudig wir sind. Deshalb legt die Freiheit als zentrale normative Prämisse der Sozialen Marktwirtschaft auch für das Spannungsfeld von Wirtschaftlichkeit und Sicherheit nahe, dass wir uns als Nachfrager selbst entscheiden können. Aus liberaler Perspektive gibt es keine „One-size-fits-all“-Lösung. Im Wettbewerb widersprechen Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Freiheit einander nicht, sondern sie verbinden sich. Im Wettbewerb entsteht ein breites Angebot an Sicherheitsleistungen, die Private effizienter bereitstellen als ein staatlicher Monopolist. Beispielsweise sinken die Prämien für Elementarversicherungen, sobald mehrere Anbieter um die Gunst der frei kontrahierenden Verbraucher buhlen. Die Folge: Sich gegen Elementarschäden abzusichern, wird für den einzelnen nicht nur günstiger, sondern das Angebot, dem er sich gegenübersieht, verbessert, differenziert, verfeinert sich. Seine Wahlfreiheit, sein Möglichkeitsraum wächst.

Was spricht dagegen, diesen Mechanismus für andere Sicherheitsleistungen zu nutzen, gerade auch im öffentlichen Raum? Warum nicht die Kontrollen an Flughäfen oder die Sicherung von Großveranstaltungen wie Fußballspielen und Massendemonstrationen privatisieren und in den Wettbewerb entlassen? Warum dabei nicht auch in einem gewissen Rahmen verschiedene Intensitäten an Sicherheit zulassen, sodass jeder Nutzer auswählen kann? Damit ließen sich nicht nur die Kosten senken, sondern das Angebot entspräche den individuellen Präferenzen besser und gleichzeitig bestünde die Hoffnung, dass die Qualität steigt. Ein innovativer Umgang mit den Grundprinzipien der Sozialen Marktwirtschaft könnte dazu beitragen, dass wir in Zukunft Wirtschaftlichkeit und Sicherheit nicht länger als Gegensätze begreifen.
   




Daniel Issing, Jg. 1991 · Studiert Theoretische und Mathematische Physik in Muenchen. Er ist Mitglied im Executive Board der European Students For Liberty und Stipendiat der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.




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